top of page

Europa 2025
Zurück auf dem Festland und Richtung Skandinavien

Logo-r-expeditions-removebg-preview.png

Nachdem wir Schottland verlassen hatten, zog es uns gegen Süden in wärmere Gefilde. Allerdings sollte es noch etwas dauern, bis tatsächlich Sommerfeeling aufkommen würde. Der Ostküste von England entlang reisten wir bis Bamburgh. Dort erfüllten wir Inka unbeabsichtigt wohl einen Hundetraum. Inmitten von ganzen Hasenscharen durfte sie von den Klippen zurück zu unserem Übernachtungsplatz wandern. Am nächsten Tag führte uns unsere Reise zum Flamborough Outer Headlands Nature Reserve, wo wir das Glück hatten, nochmals Papageientaucher beobachten zu dürfen. Auch dieses Mal konnten wir uns nur schwer von den faszinierenden Vögeln lösen.

Mitte Juni war es dann so weit. Wir verliessen Grossbritannien, um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher, und endlich, endlich wurde es wärmer!!! Nachdem wir in den letzten 1 ½ Monaten mehrheitlich jeden Tag weitergereist waren, gönnten wir uns in Eede, Niederlande, eine Auszeit. Bei schönstem Sommerwetter genossen wir auf einem Campingplatz mitten in der Natur die Wärme, das süsse Nichtstun und konnten so die vielen Eindrücke verarbeiten. Da der Campingplatz zu einem Spargelhof gehört, konnten wir uns auch kulinarisch nicht beklagen. Jeden Tag gab es frische Spargeln, Erdbeeren und vieles mehr. Wir realisierten hier einmal mehr, wie gut es zwischendurch tut, einfach in den Tag hinein leben zu dürfen. Uns wurde bewusst, welches Glück wir haben, solche Reisen unternehmen zu können, Neues entdecken zu dürfen und frei, wie die Vögel jeden Tag zu entscheiden, wohin wir uns wenden wollen. Das Innehalten und sich dessen bewusst zu werden erfüllt uns mit einer tiefen Zufriedenheit. Das ist Reisen!

Nach rund einer Woche ging es dann aber doch weiter. Schliesslich wollten wir ja nach Skandinavien. So machten wir uns mit frischer Energie auf und reisten der niederländischen Küste entlang über Breskens nach Hoek van Holland. Dort konnten wir die grossen Frachter beobachten, wie sie vom Meer her die Einfahrt zum Hafen Rotterdam bewältigten. Zwischen Den Haag und Amsterdam lernten wir auf einem Campingplatz Einheimische kennen, welche uns Tipps für unsere Weiterreise gaben. So entdeckten wir die spannende Küstenlandschaft um die westfriesischen Inseln. Über Lemmer, einem kleinen wunderschönen, aber eher touristischen Hafenstädtchen gelangten wir auf einen Campingplatz bei Harich. Abseits von all den Touristen, entdeckten wir bei langen Wanderungen mit Inka die schönen Wälder und kleinen Seen, wo wir uns mit einem Bad erfrischen konnten.

Eines Morgens, eigentlich wollten wir weiterreisen, da der Regen gekommen war, mussten wir feststellen, dass einer unserer Pneus nur noch wenig Luft hatte. Nun waren wir das erste Mal auch onroad froh, dass wir einen eingebauten Kompressor an unserem Reisefahrzeug haben. Nachdem wir den Pneu gepumpt hatten, mussten wir zurück nach Lemmer fahren, um dort in einer Garage den Schaden beheben zu lassen. Eine eingefahrene Schraube war der Übeltäter. Nach kurzer Wartezeit setzten wir die Reise fort und besuchten Holwert mit seinem Fährhafen. Froh nur als Zuschauer dort zu sein, beobachteten wir die Heerscharen von Touristen, welche zu den friesischen Inseln reisen wollten.

In Zoutkamp, nicht mehr weit von der Grenze zu Deutschland, wollten wir uns nochmals bei schönstem Wetter etwas treiben lassen. So buchten wir einen XXL-Platz und bekamen einen riesigen Platz am Rande eines kleinen Wäldchens, wo wir den ganzen Tag von der Sonne verwöhnt wurden. Wir genossen auch hier wieder das Nichtstun, in der Hängematte liegen, lesen, kochen… und… wer kochen will, muss auch einkaufen. Da der Lebensmittelladen, welchen es in dem Dorf gab, nur Tage vor unserer Ankunft, dicht gemacht hatte, mussten wir für die nötigen Einkäufe eine andere Lösung finden. So wanderten wir den riesigen Feldern entlang zu einem rund vier Kilometer entfernten Bauernhof, wo es einen Hofladen gab. Die Produkte waren fantastisch, frisch, vielfältig und wurden auf dem Hof hergestellt. Allerdings hätten wir an diesem Tag gerne einen Packesel dabeigehabt. Da wir gerade keinen auftreiben konnten, opferte sich der Mann in unserem Dreiergespann und übernahm diese Rolle. Wir sind dir ewig dankbar, dass du uns nicht hast verhungern lassen ;-).

Diese Einkaufstour bleibt uns nicht nur deshalb in Erinnerung, weil es nicht so einfach war, an Lebensmittel zu kommen, wie üblicherweise, sondern auch deshalb, weil wir in dieser Situation erneut feststellen konnten, dass wir das Glas halb voll und nicht halb leer sehen. So genossen wir die frisch eingekauften Produkte und freuten uns, ein Erlebnis mehr mitnehmen zu dürfen. Zurück auf dem Campingplatz, stellten wir fest, dass wir Gleichgesinnte als Nachbarn bekommen hatten. Ein Reisefahrzeug, ähnlich unserem, stand auf der anderen Seite der Wiese. Mit den Besitzern kamen wir schnell ins Gespräch, tauschten uns über unsere Reiseerlebnisse aus und bekamen wertvolle Tipps für diverse Reiseziele. Die Zeit verging wie im Flug.

Zwei Tage vor der Weiterreise erhielten wir nochmals Nachbarn. Obwohl der Platz praktisch leer war, jeder von den Anwesenden einen XXL-Platz gebucht hatte, musste ein deutsches Rentnerpaar ausgerechnet zwei Meter von uns entfernt seine Zelte aufschlagen.  Diese Tatsache allein war für uns kein Problem, obwohl wir uns etwas wunderten. Allerdings stellten sich die zwei als regelrechte Kampfhähne heraus. So beschimpften sie sich gegenseitig lautstark bei all ihren Verrichtungen rund um ihr Fahrzeug und den Wohnwagen, was äusserst unangenehm war, wurden wir doch dadurch Zeugen von Situationen, welche uns völlig fremd sind.

Schon monatelang auf Reisen, teilweise in herausfordernden Situationen, immer auf engstem Raum und trotzdem jeden Tag geniessen. So erleben wir jedes Mal unsere Reisezeit. Dass wir beide immer an einem Strick (und in die gleiche Richtung) ziehen, Lösungen und nicht Probleme sehen und Diskussionen auf Augenhöhe und mit Respekt führen, wussten wir zwar schon vor diesen zwei Tagen. Es wurde uns aber wieder einmal eindrücklich vor Augen geführt, wie wertvoll dies ist, und wir sind einander sehr dankbar dafür, macht dies doch das Reisen zu einem unglaublichen Erlebnis, welches uns jedes Mal noch enger zusammenschweisst.

Von Zoutkamp ist es nicht mehr weit bis zur Elbe und somit nach Deutschland. An der Elbe wollten wir unbedingt die grossen Schiffe nochmals beobachten. Auf dem Weg dahin legten wir in Norddeich einen Stopp ein, wo wir die Robben-Auffangstation besichtigten. Es ist sehr eindrücklich, was in dieser Station zum Tierwohl geleistet wird. Viele Robben werden krank oder verletzt aufgefunden und in diese Station gebracht, wo sie gepflegt und aufgepäppelt werden, bis sie, sofern möglich, wieder in die Freiheit entlassen werden. Um Einnahmen zu generieren, öffnen die Betreiber, gegen ein Entgelt, die verschiedenen Bereiche der Station, die dann besucht werden können. Zudem gibt es einen Shop, wo Kuschelrobben, Shirts und weitere Souvenirs verkauft werden. Der Erlös wird für die Pflege der Tiere verwendet. Es versteht sich von selbst, dass auch wir mit einer Kuschelrobbe (wir haben sie Ari getauft) ausgestattet weitergereist sind.

Von der Auffangstation ging es weiter ans Elbufer. In Krautsand fanden wir einen geeigneten Stellplatz, von wo aus wir abends einen langen Spaziergang zum Strand und einem dort gelegenen Restaurant unternahmen. Von der Holzterrasse aus konnten wir bereits beim Nachtessen die ersten Frachter beobachten, welche zuvor den Hamburger Hafen verlassen hatten. Weitere Frachter zogen vorbei, als wir direkt am Strand mit Inka spielten. Plötzlich trauten wir unseren Augen nicht, als ein Schiff, welches sämtliche Frachter bei weitem überragte, zwischen den hohen Bäumen auftauchte. Es stellte sich als Kreuzfahrtschiff MSC Preziosa heraus. Wir hatten beide noch nie ein Kreuzfahrtschiff aus der Nähe gesehen und waren von der Grösse sehr beeindruckt; allerdings hatten wir gemischte Gefühle. Einerseits stellen wir uns das Reisen an verschiedene Orte der Welt, ohne ständig die Koffer packen zu müssen, komfortabel vor, anderseits wussten wir nicht, ob wir uns in einer solchen Masse an Menschen an Bord wohlfühlen würden. Auf jeden Fall buchten wir nicht um, sondern kehrten um viele Eindrücke reicher und zufrieden zu unserem Troopy zurück. Am nächsten Tag sollte es weiter nach Dänemark gehen.

Vi ses næste gang!

England
Festland 1.JPG
Festland 2.JPG
Niederlande
Deutschland
bottom of page