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Europa 2023
Reisefeeling

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Nach der Findungsphase und durch das Entdecken von kleinen und ruhigen Stellplätzen für unser Fahrzeug inmitten der Natur, sind wir der Art, wie wir uns das Reisen vorstellen ein grosses Stück näher gekommen. Unser Reisekleid nimmt weiter Form an. Bewusst reden wir nicht davon, dass wir unsere Art des Reisens gefunden haben, denn das Reisen ist aus unserer Sicht dauernde Veränderung, verbunden damit, sich auf die Situation einzulassen, stets flexibel zu bleiben und das Beste aus jedem Moment für sich heraus zu nehmen. Natürlich gelingt das nicht immer, und es wird ein stetiges Lernen bleiben, was die ganze Sache manchmal abenteuerlich, manchmal schwierig, aber sicher immer spannend macht. Wir haben so das Gefühl, direkt und ungefiltert ins Leben einzutauchen und daran teil zu haben. 

Dem Entschluss, nur noch kleine Stellplätze anzufahren, sind wir treu geblieben. Natürlich war auch die Verlockung gross, wie es viele machen, frei zu stellen. Jedoch haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Weder in Korsika, noch in Frankreich und in Spanien ist das erlaubt. Da wir unsere Reisezeit nicht mit negativen Erlebnissen besetzen wollen, sehen wir deshalb davon ab. Das ist aber nicht der einzige Grund. Wir sind der Überzeugung, dass die vielen persönlich und mit viel Liebe geführten kleinen Campingplätze genauso schön, und die Besitzer dankbar für die Einkünfte sind. Einerseits leisten wir so einen kleinen Beitrag zum Weiterbestand dieser Oasen, anderseits helfen wir dadurch Arbeitsplätze zu sichern. Sollte sich zukünftig jedoch herausstellen, dass an unserem jeweiligen Reiseziel wild campen erlaubt ist oder wir trotz entsprechenden Bemühungen keinen passenden offiziellen Stellplatz finden, sind wir auch dafür offen. 

Von Roses, unserem spanischen Outdoor-Office für den letzten Reisebericht, brachen wir in Richtung Süden auf. Nach einer längeren Fahrt der Mittelmeerküste Spaniens entlang, bogen wir Höhe Ebro-Delta ins Hinterland ab und wurden mit einer Fahrt durch bewaldete Hügel, Gebirge und abgeschiedene Täler belohnt. Die Mobile-Home-Dichte nahm merklich ab... In Fuentespalda fanden wir einen Ort zum Verweilen, welcher genau unseren Vorstellungen entsprach: am Rande des kleinen Dorfes, ruhig gelegen, mit jungen, aufgeschlossenen und sehr hilfsbereiten Verwaltern, welche uns gute Tipps für weitere Reiseziele gaben. Die Hunde des Campingplatzes durften ebenso frei herumtollen, wie unser drittes Crewmitglied. 

Tage später verliessen wir diese Idylle und waren für eine Woche, eine halbe Stunde vom Küstenort Peñiscola entfernt, Gäste auf einer Finca, wo sich die Besitzer ein kleines (nein eher grösseres... :-)) Paradies geschaffen haben. Wir kamen als Bekannte und gingen als Freunde. Dieser Satz beschreibt für uns am besten, was wir dort an Gastfreundschaft erleben durften. Wir fühlten uns alle drei rundum wohl, genossen die gemeinsamen Stunden, und der Abschied fiel dementsprechend schwer. 

Unser nächstes Ziel waren die Vorpyrenäen. Nach einem Abstecher zum Ebro-Delta reisten wir nach Benabarre, ca. 65 km nördlich von Lleida. Die Idee war, dort eine ruhige Nacht zu verbringen und am nächsten Tag eine Offroad-Tour zu einem der bekannten Geisterdörfer zu unternehmen. Es kam leicht anders... 

Während unseres Spaziergangs durch das Dorf, erfuhren wir, dass von Donnerstag (unserem Ankunftstag) bis Sonntag San Medardo, ein Bischof aus dem 6. Jahrhundert, gefeiert werde. Verdankenswerterweise lag der Campingplatz direkt neben der Mehrzweckhalle, wo das Fest am Abend stattfinden sollte. Und, was wir auch nicht wussten, die Spanier können feiern! Um ca. 22:00 Uhr ging es los. Um 23:30 Uhr war die Musik zu Ende und es keimte leise Hoffnung auf, dass aus der ruhigen Nacht doch noch was werden könnte. Weit gefehlt :-) um 00:30 Uhr füllte sich die Halle erneut und die Musik begann wieder zu spielen. Irgendwann schliefen wir dann doch ein und erwachten mit Musik, denn um 03:00 Uhr kam der DJ und legte bis 06:00 Uhr auf. Was für eine Nacht! Wir nahmen es mit Humor, hätten auch gerne mitgefeiert, was aber wegen Inka nicht möglich war. 

Am Morgen, es hatte in der Nacht geregnet, standen wir trotzdem zeitig auf und machten uns bereit für unsere Offroad-Tour. Zuerst mussten/durften wir allerdings noch einen nicht mehr manövrierfähigen Camper mit unserer Seilwinde aus dem Dreck ziehen. Eine solche Winde macht echt Freude, solange man sie nicht für das eigene Fahrzeug benutzen muss... ;-). Die Tour selbst war für uns sehr anspruchsvoll, extrem spannend, und wir hatten grossen Spass dabei. Wir kamen nur langsam voran, da unser Fahrzeug sich doch deutlich von einem kleinen wendigen Offroader unterscheidet. Auf einer sich in Serpentinen windenden Piste gewannen wir schnell an Höhe und genossen die fantastischen Ausblicke auf die Berge. An manchen Stellen waren die Passagen sehr schmal, und am Rand ging es senkrecht runter, was viel Konzentration und ab und zu etwas Überwindung kostete. Nach einer längeren Fahrt, teilweise steil bergauf, gelangten wir in das Geisterdorf, wo wir tatsächlich in Häusern herumstöbern konnten, in welchen die ehemaligen Bewohner ihren gesamten Hausrat zurückgelassen hatten. Wieder zurück auf der befestigten Strasse ging es nach dem Aufpumpen der Pneus nicht zurück in unser "ruhiges Camp," wo immer noch San Medardo gefeiert wurde; wir fanden einen schattigen Platz an einem Bach, wo wir die Stille geniessen konnten. 

Nach einem Abstecher nach Andorra setzten wir unsere Reise in Richtung Nordküste von Spanien fort. Über Huesca und Pamplona gelangten wir so nach San Sebastián. Die nächsten Tage verbrachten wir damit, verschiedene Orte an der Küste zwischen dieser Stadt und Gijón zu besuchen. Küstenwanderungen bescherten uns traumhafte Ausblicke auf den Atlantik. Die einmaligen Felsformationen verzauberten uns, und Inka genoss wieder die Freiheit, sich am Strand und im Meer auszutoben. Die Wildheit der Landschaft, der gegenüber dem Mittelmeer doch rauere Atlantik und die Wellen beeindruckten uns tief. Hier sind wir nicht das letzte Mal gewesen. 

Die letzte Woche im Juni und die erste Woche im Juli bekamen wir Besuch. Deshalb richteten wir uns auf einem Campingplatz ca. 40 km westlich von Nantes an der Loire ein. Auch hier waren wir vollkommen alleine und fanden unsere Ruhe. Nachdem unser Besuch angekommen war, liessen wir es ruhig angehen. Wir waren alle noch nie zu dritt in einem solchen Reisefahrzeug unterwegs gewesen, fanden uns jedoch sehr schnell, und die Abläufe spielten sich perfekt ein. Nach einem Ruhetag starteten wir in Richtung Rennes. Ziel war der sagenumwobene Brocéliande, ein Wald, in welchem auch ein Krimi von Jean Luc Bannalec spielt. Tatsächlich hat man beim Besuch dieses Waldes das Gefühl, dass einen auf Schritt und Tritt Feen und Fabelwesen begegnen könnten. Das gedämpfte Licht, die Kühle die einen umfängt, wenn man in den Wald eintaucht sind einzigartig. Nach einem wundervollen Spaziergang fanden wir einen kleinen Stellplatz im nahegelegenen Dorf. Durch die Bretagne reisen kann man nicht, ohne Mont Saint Michel und Saint Malo besucht zu haben. Diese eindrücklichen Orte haben uns, obwohl doch sehr touristisch, sehr gut gefallen und beeindruckt. An einem Strand in der Nähe von Cancale konnten wir lange verweilen und auf Muschel- und Fotosujet-Suche gehen. 

Zu schnell ging diese Woche vorbei und unser Besuch musste abreisen. Auf dem Weg nach Bordeaux hatten wir erneut Glück und fanden einen Stellplatz nach unserem Geschmack. Die Idee des Besitzers war, einen Campingplatz, zwar mit den Annehmlichkeiten der heutigen Technik, aber wie vor 50 Jahren zu erstellen. Es ist ihm hervorragend gelungen, und wir fühlten uns sehr wohl dort. Den letzten Abend genossen wir in einem Restaurant in Bordeaux und verabschiedeten unsere Begleitung durch die Bretagne am nächsten Morgen. Viel Zeit für Traurigkeit blieb uns nicht, denn am Nachmittag sollten wir bereits unseren nächsten Besuch in Dax, rund zwei Stunden südlich von Bordeaux, abholen. Für diese Woche wünschte sich unser Besuch, an einem Ort zu bleiben, die Natur zu geniessen und im Meer zu baden. Wir fanden den optimalen Natur-Campingplatz nähe Herm, wo wir inmitten eines Bambuswaldes standen. Von dort unternahmen wir Wanderungen durch die einmalige Landschaft mit Feldern, lichten Wäldern mit Erika und genossen die Weite. Dass das Meer nicht weit war, konnte man daran erkennen, dass der Boden ziemlich sandig ist. Die Ausflüge ans Meer waren traumhaft, sich in die grossen Wellen stürzen und über feinen Sand laufen genossen wir alle sehr. Inka, mutig, wie sie ist, sprang ebenfalls in eine Welle und konnte patschnass aber heil noch kurz vor dem Weggespültwerden an ihrem Halsband aus dem Wasser gezogen werden. Ab da erhielt sie nur noch Ausgang unter Aufsicht!

Die vielen guten Gespräche, die tolle Teamarbeit und die Tatsache, die beiden Besuche trotz der engen Platzverhältnisse zu dritt so schön gestalten zu können, haben uns sehr berührt und glücklich gemacht. Danke euch für eure Abenteuerlust, mit uns auf einen Teil unserer Reise zu kommen und diese durch euere Anwesenheit bereichert zu haben. 

Allen zu Hause gebliebenen wünschen wir einen tollen Sommer in der Heimat!

À bientôt aus dem Hängematten- und Bambuswald-Office!

Spanien
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Frankreich Bretagne und Westküste
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