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Europa 2023
Reisealltag

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Nach bald vier Monaten des Umherziehens ist es einmal an der Zeit Rückschau zu halten und darüber nachzudenken, wie sich unsere Überzeugungen, Einstellungen und Ziele konkretisiert, verfeinert oder allenfalls geändert haben. Während unserer Diskussionen stellen wir fest, dass sich die Ziele, open end reisen zu wollen und sich so wenig wie möglich von äusseren Einflüssen lenken zu lassen, sogar noch verstärkt haben. Wir sind zudem erneut zur Erkenntnis gekommen, dass das Beibehalten der Flexibilität und das Anpassen oder Schärfen von Einstellungen und Überzeugungen sehr wertvoll und unerlässlich sind. So haben wir im letzten Bericht erwähnt, dass wir mehrheitlich auf das wild Campen verzichten werden, und dies nur dann tun werden, wenn es erlaubt ist oder wir keinen Platz finden können. Und genau so ist es gekommen :-).

Nachdem unsere Gäste abgereist waren, genossen wir noch rund eine Woche auf unserem Bamboo-Camping in absoluter Ruhe und konnten uns auf das Wie und Wohin unserer Reise vorbereiten. Die Bretagne hatte es uns angetan. Wir wollten mehr davon sehen! Zudem stiegen die Temperaturen, und Mitte Juli zeigte das Thermometer am heissesten Tag 37 Grad. Da wir diesen Tag mehrheitlich im Fahrzeug verbrachten, war es auch für unser drittes Crewmitglied einigermassen erträglich. Auf einer Farm südöstlich von Bordeaux verbrachten wir zwei wunderschöne Tage bei Bekannten. Danach machten wir uns auf, an die Südküste der Bretagne, wo wir auf wunderschöne Strände, die typischen Steinhäuser der Bretagne und wilde Buchten trafen. Ein Traum für längere Spaziergänge und aufgrund der Temperaturen auch für Inka das perfekte Hundeleben schlechthin. In den vielen kleineren Orten lässt es sich in einem Café verweilen, die Yachten in den Häfen bestaunen, fangfrische Austern schlürfen und den vielen Mythen um die Bretagne nachgehen. Von Carnac aus umrundeten wir die Küste der Bretagne im Uhrzeigersinn und genossen jeden Ort mit seinem ganz speziellen Zauber. 

Während uns das Wetter an der Südküste noch milde gestimmt war, begann es an der Nordküste immer öfters zu regnen (Nieselregen ist in der Zwischenzeit intern zum Schimpfwort des Jahres aufgestiegen... :-( ). Obwohl wir in der Zeit in der Bretagne beschlossen hatten, in die Normandie weiter zu ziehen und dann entweder nach England / Schottland oder nach Dänemark / Norwegen weiter zu reisen, stellten wir unsere Pläne bald um. Die Aussicht auf die weitere Reisezeit bei tagsüber höchstens 20 Grad, Wolken, Nieselregen (oder mehr) und in der Nacht rund 10 bis 14 Grad veranlassten uns zu diesem Schritt. Unsere Flexibilität wurde gerade getestet. Wohin sollte es gehen? Nach einem Check der Temperaturen und des Wetters an der Nordküste Spaniens, stand die neue Reiseroute fest. Es sollte uns wieder nach Spanien (Nordküste und Galizien) und dann nach Portugal führen. Einen Abstecher an die Küste der Normandie und einen Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs wollten wir uns aber doch nicht nehmen lassen. Diese Reise hat sich sehr gelohnt. Das parkähnliche Gelände ist wundervoll angelegt, die Monumente sind sehr eindrücklich und die vielen weissen Kreuze mit Namen und Todestagen lassen einen verstummen. In dieser Stille und Andacht kommt der Respekt für die Verstorbenen perfekt zum Ausdruck. Wir sind dankbar, diesen Ort besucht zu haben. 

In der Zwischenzeit schrieben wir Ende Juli. Leider heisst dies gleichzeitig Hochsaison auf den Campingplätzen. Von unseren kleinen Plätzen, wo wir uns in Ruhe mit genügend Privatsphäre und Auslauf für Inka installieren konnten, blieb nicht mehr viel. Alles war voll. Bis jetzt hatten wir Glück, aber dieses würde wohl nicht von Dauer sein. Deshalb entschieden wir uns, den Teil der Nordküste Spaniens, welchen wir schon gesehen hatten, nicht mehr zu besuchen, sondern uns einen Weg im Inland zu suchen. Nach der sehr eindrucksvollen und kargen Landschaft der Bardenas Reales (einer Halbwüste südöstlich von Pamplona) reisten wir über die wirklich sehenswerten kleineren Städte Logroño, Burgos und Léon weiter. Zwischen Santander und Gijón wollten wir im Naturpark Picos de Europa eine Wanderung in den Bergen unternehmen. Und hier schnappte die Hochsaisonfalle zu! Der einzige Campingplatz war übervoll, die Rück- oder Weiterreise zu lange, und so standen wir buchstäblich auf der Strasse. Jetzt konnten wir unsere Fortschritte in unserer persönlichen Weiterentwicklung, hin zu noch mehr Gelassenheit und Flexibilität im Alltag, dem Reisealltag, unter Beweis stellen. Diesen Test haben wir bestanden! Nachdem wir am Strassenrand geparkt und ein Piknick zusammengestellt hatten, kletterten wir über die Leitplanke stiegen den Hang hinunter und gingen zuerst einmal im türkisblauen Wasser des Baches baden. Übernachtet haben wir schliesslich an der Hauptstrasse auf einem Parkplatz mit anderen Campern. Die Wanderung mussten wir leider streichen, da der Weg zum Ausgangspunkt und zurück inkl. Wanderung an einem Tag für Inka einfach zu lang war. Die Erkenntnisse aus diesem Erlebnis hat uns aber gezeigt, dass wir auch mit negativen Situationen zusammen gut umgehen, kreative Lösungen suchen und während dieser Zeit trotzdem die Momente geniessen können. Dies ist der grosse Gewinn für uns persönlich daraus und wir freuen uns darüber. 

Nachdem wir auch in Galizien ähnliche Situationen erlebt hatten, teilweise mussten wir bis zu drei Campingplätze anfahren (Reservationen waren nicht möglich) und standen dann immer noch auf einem für uns nicht schönen Platz, wo wir uns auch nicht wohl fühlten, beschlossen wir, die "Taktik" zu ändern. Beim letzten dieser Plätze kehrten wir an einem Abend für die Übernachtung nicht dorthin zurück, sondern stellten frei auf einer Klippe, wo wir eine Auszeit von dem ganzen Trubel nahmen und mit wunderschönem Sonnenuntergang und einer traumhaften Morgenstimmung belohnt wurden. Danach buchten wir jeweils einen Platz für mehrere Tage und unternahmen von dieser Basis aus Ausflüge ins Landesinnere oder an die Küste. Ab Mitte August fanden wir so zurück zu der Art des Reisens, wie es uns behagt. Wir fanden wieder tolle Stellplätze, dazwischen gab es erneut eine Nacht mit frei stellen an einem Fluss, wo wir praktisch am Ufer schlafen konnten. 

Inzwischen hatten wir die Grenze zu Portugal überquert und fuhren, sehr oft begleitet vom Duft der grossen Eukalyptuswälder (Australien lässt grüssen... :-) ), mehrheitlich im Inland und die grossen Städte meidend in Richtung Süden. Dank eines grossartigen Reiseführers fanden wir versteckte wilde Badestellen, kleine Restaurants mit einheimischer Küche, ein Fischerdorf, wo wir frischen Fisch am Strand kaufen konnten und auf abenteuerlichen Wegen ganz viel Natur. So lieben wir es! Allerdings geht es auch bei uns nicht immer ohne Touristentrubel. Nazaré, den Surfern sicher ein Begriff, mussten wir unbedingt besuchen, auch wenn die ganz grossen Wellen erst im Winter kommen. So bewusst gesucht, störten uns der ganze Trubel, die verstopften Strassen und die vielen Shops überhaupt nicht. Glacé schleckend hörten wir den Strassenmusikern zu, kauften einer alten Frau eingelegte Maiskörner ab und genossen den Ausblick von der Klippe auf den unteren Teil der Stadt Nazaré und den vorgelagerten völlig überfüllten Strand. Danach kehrten wir zufrieden wieder auf unseren Campingplatz inmitten der Natur zurück. 

Unser Fazit für diese Zeit: Der Reisealltag mit seinen eigenen Gesetzen und Bedingungen ist unbedingt etwas für uns! Zwar gibt es viele alltägliche Dinge zu erledigen. So gehören einkaufen, putzen, waschen, wie zu Hause auch beim Reisen dazu. Hinzu kommen bei jedem Stop der Aufbau der Infrastruktur inkl. Outdoorküche, das Bestimmen der Reiseroute, das Checken des Wetters, sowie sich immer auf neue Begebenheiten, Kulturen, Sprachen und Menschen einzulassen. Aber all dies in einer immer wechselnden Umgebung und so, wie wir reisen, mehrheitlich in der Natur und praktisch immer draussen erleben zu dürfen, ist ein Geschenk. Für die erlebte Zeit, die vielen Erfahrungen, die Erlebnisse und unsere persönliche Weiterentwicklung sind wir unendlich dankbar. 

Até breve e cumprimentos aus Portugal!

Frankreich Bretagne und Normandie
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Spanien Norden und Galizien
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Portugal
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